Bohdan ist ein Schüler aus der Tschechischen Republik, der sich dazu entschieden hat, über die Organisationen Experiment und Erasmus+ drei Monate in Deutschland zu verbringen. Er wurde von einer Familie aus Hannover ausgewählt und hat dadurch die Möglichkeit, die IGS Büssingweg zu besuchen. Im Interview berichtet er über seine spannende Zeit als Austauschschüler, nennt Unterschiede zu seiner Heimat und Sorgen, die er vorher hatte. Auch hat er einen guten Rat für alle, die einen Schüleraustausch erwägen.

Wie hast du dich gefühlt, als du nach Deutschland gekommen bist?
Als ich mit dem Zug nach Deutschland gefahren bin, war ich sehr nervös, weil ich nicht wusste, was auf mich zukommen würde. Gleichzeitig habe ich mich aber auch darauf gefreut. Ich bin in ein Land gefahren, dessen Sprache ich noch nicht lange genug gelernt hatte, um sie gut zu verstehen, und deshalb war ich mir nicht sicher, wie ich mich mit den Menschen dort verständigen würde. Gleichzeitig wusste ich nicht, ob die Deutschen eher verschlossen sein würden und ob es mir deshalb schwerfallen würde, hier Freunde zu finden. Ich hatte Angst, in Deutschland allein zu sein.

Wie waren die ersten Tage in Deutschland und an der Schule?
Schwierig. Ich habe festgestellt, dass das Deutsch, das ich in der Schule gelernt hatte, hier viel schneller gesprochen wurde, als ich erwartet hatte. Ich wusste zunächst nicht so recht, wie ich anfangen sollte, mich mit den anderen zu unterhalten, weil ich sie nicht vollständig verstand und gleichzeitig auch nicht genau wusste, wie ich ein Gespräch beginnen sollte. Mit der Zeit hat sich das aber geändert, und nach und nach begann ich, mich ganz normal mit
den Leuten zu unterhalten. Was den Schulalltag und das Leben in Deutschland betrifft, habe ich das Gefühl, dass ich mich relativ schnell an den Alltag hier gewöhnt habe, weil das Leben hier gar nicht so anders ist als in der Tschechischen Republik.

Welche Erwartungen hattest du an die ersten Tage? Hattest du gedacht, dass sie anders verlaufen würden?
Ehrlich gesagt wurde ich davor gewarnt, dass die ersten Tage wirklich schwierig sein würden und dass ich mich an viele neue Dinge gewöhnen müsste. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass die ersten Tage in mancher Hinsicht viel schwieriger hätten verlaufen können, als sie tatsächlich verlaufen sind. Außerdem gibt es in der Tschechischen Republik viele Klischees darüber, dass die Deutschen sehr streng mit Regeln und Pünktlichkeit umgehen. Ich hatte deshalb Angst, dass ich einige unausgesprochene Regeln unbeabsichtigt nicht einhalten würde und die Menschen deshalb unfreundlich zu mir sein könnten. Zum Glück war das nicht der Fall.

Was sind die größten Unterschiede zwischen Schulen in Deutschland und in Tschechien?
Der größte Unterschied, der mich bereits an meinem ersten Schultag überrascht hat, war, dass fast alle ihre Notizen auf iPads schreiben und nicht in Hefte. In der Tschechischen Republik wurde gerade ein Gesetz verabschiedet, nach dem Handys an allen Schulen der unteren Sekundarstufe grundsätzlich verboten sind, weil sie sich negativ auf das Lernen auswirken können. Deshalb bin ich mir nicht ganz sicher, ob iPads tatsächlich so viel anders sind, dass sie einen positiven Effekt auf den Unterricht haben. Ein weiterer großer Unterschied, der mich hier überrascht hat, ist, dass hier immer noch Entschuldigungshefte verwendet werden. Mit dem Beginn der Corona-Pandemie wurde in der Tschechischen Republik vieles digitalisiert, und heute werden Entschuldigungshefte dort praktisch nicht mehr verwendet. Der Unterricht an der IGS Büssingweg ist in anderthalbstündige Blöcke eingeteilt, was auch
in Tschechien nicht üblich ist.

Hast du einen Rat für diejenigen, die ebenfalls einen ähnlichen Auslandsaufenthalt vor sich haben?
Ja. Ich denke, es ist wichtig, dass diejenigen, die einen Auslandsaufenthalt machen, allem genügend Zeit geben. Sie sollten in den ersten Tagen nicht verzweifeln, wenn sie hier niemanden haben, mit dem sie sich richtig unterhalten können, oder wenn zunächst niemand mit ihnen sprechen möchte. Mit der Zeit kann sich das ändern, und man kann neue Freunde finden.