Seit Kurzem ist Frau Seeger ausgebildete Schulseelsorgerin an der IGS Büssingweg. Im Interview erzählt sie, was Schulseelsorge bedeutet, mit welchen Anliegen Schülerinnen und Schüler sowie Kolleginnen und Kollegen zu ihr kommen können. Und warum manchmal einfach jemand wichtig ist, der zuhört.
Herzlichen Glückwunsch zur abgeschlossenen Ausbildung als Schulseelsorgerin, Frau Seeger! Was hat Sie dazu motiviert, diese Zusatzqualifikation zu erwerben?
Vielen Dank! Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie wichtig es sein kann, jemanden zum Reden zu haben. Gerade in der Schulzeit gibt es manchmal Situationen, in denen einen etwas beschäftigt oder man nicht weiß, wie es weitergehen soll. Und nicht immer möchte man darüber mit der eigenen Klassenlehrkraft sprechen. Ich möchte für unsere Schülerinnen und Schüler eine weitere Ansprechperson sein. Jemand, der zuhört, sich Zeit nimmt und ein Stück begleitet. Deshalb habe ich in den letzten eineinhalb Jahren die Ausbildung zur Schulseelsorgerin gemacht.
Was genau bedeutet Schulseelsorge an einer Schule wie der IGS Büssingweg und mit welchen Anliegen können sich Schülerinnen und Schüler oder auch Kollegen an Sie wenden?
Zu mir kann man mit allem kommen, was einen gerade beschäftigt. Dabei gibt es kein Anliegen, das zu klein oder unwichtig ist. Vielleicht gibt es Streit mit Freundinnen oder Freunden oder in der Familie. Vielleicht geht es um Schule, Ängste, Trauer, Stress oder Veränderungen im eigenen Leben. Vielleicht fühlt man sich gerade einfach nicht gut und weiß selbst noch gar nicht genau, warum. Auch dann darf man zu mir kommen. Schulseelsorge bietet einen geschützten Raum für Gespräche. Was mir anvertraut wird, behandle ich vertraulich. Das ist ein wichtiger Teil der Schulseelsorge. So soll ein Ort entstehen, an dem man offen erzählen kann, was einen beschäftigt. Ich höre zu und nehme mir Zeit. Gemeinsam schauen wir dann, was gerade gebraucht wird und was helfen könnte. Als Schulseelsorgerin bin ich Teil unseres Beratungsteams. Außerdem gehöre ich zum schulischen Krisenteam.
„Ratschläge sind auch Schläge.“
Was war für Sie das Wichtigste, das Sie in der Ausbildung zur Schulseelsorgerin gelernt haben?
Ein Satz aus meiner Ausbildung ist mir besonders im Kopf geblieben: „Ratschläge sind auch Schläge.“ Das klingt erst einmal etwas ungewöhnlich. Gemeint ist damit: Ich muss nicht sofort eine Lösung für einen anderen Menschen haben. Wenn jemand zu mir kommt, sage ich also nicht einfach: „Das musst du jetzt so machen.“ Stattdessen höre ich zu und stelle Fragen. Gemeinsam schauen wir: Was brauchst du gerade? Was könnte dir helfen? Und welcher Weg passt zu dir? Denn jeder Mensch bringt eigene Stärken, Ideen und Möglichkeiten mit. Manchmal braucht es nur jemanden, der dabei hilft, diese zu entdecken.
Was möchten Sie den Schülerinnen und Schülern, Eltern sowie Kolleginnen und Kollegen über Ihr Angebot als Schulseelsorgerin mit auf den Weg geben?
Ihr müsst nicht warten, bis euch etwas sehr belastet. Ihr dürft auch mit Dingen zu mir kommen, die euch vielleicht klein oder unwichtig vorkommen. Und ihr müsst vorher nicht genau wissen, was ihr sagen möchtet. Manchmal hilft es schon, Gedanken laut auszusprechen und gemeinsam zu sortieren. Mir ist besonders wichtig: Niemand muss mit dem, was ihn beschäftigt, allein bleiben. Wenn ihr jemanden zum Reden braucht, dürft ihr euch an mich wenden.
